Differenz Tastkopf

In der elektrischen Messtechnik ist es sehr oft erforderlich, kleine Spannungen zu messen oder auf dem Oszilloskop darzustellen, die nicht auf die Schaltungsmasse bezogen sind. Dies könnte z.B. die Spannung an einem Strommesswiderstand sein, der nicht direkt an GND angeschlossen ist.
In einfachen Fällen kann man hierzu zwei Eingänge eines Oszilloskops benutzen, und von den Ergebnissen beider Kanäle die Differenz bilden (also Kanal 1 - Kanal2 darstellen). Das funktioniert jedoch nur, solange die Eingangsgleichtakt-Spannung in der gleichen Größenordnung lieget, wie das Messsignal.

DiffAmp_Gerät_2T

Liegt z.B. einer der Anschlüsse des Strommesswiderstandes um 5 V höher als GND (Eingangsgleichtakt-Spannung) und ist das Messsignal über dem Widerstand nur 0,1 V groß, so müsste man das Oszillsokop auf beiden Kanälen auf einen Meßbereich einstellen, der mit 5 V nicht übersteuert ist (z.B. 1 V/Teil), und dann (mit Kanal 1 - Kanal 2) die Differenz bilden.
Aufgrund der mangelnden Empfindlichkeit der Oszilloskop-Eingänge in diesem Messbereich wird man jetzt vom 0,1 V Messsignal nicht mehr viel sehen. Der Strahl wird nur minimal ausgelenkt werden.

Um diese Messaufgabe sinnvoll zu lösen, kann man diesen Differenz-Tastkopf benutzen. Er verkraftet eine Eingangsgleichtakt-Spannung von ±10 V, auch wenn das Messsignal nur einige Millivolt groß ist. Für sehr kleine Messsignale bietet der Differenz-Tastkopf weiter die Möglichkeit, das Signal um den Faktor 2, 5 oder 10 sehr rauscharm zu verstärken.

DiffAmp_Gerät_3T

Sollte der Eingangsgleichtakt-Bereich von ±10 V nicht ausreichen, können zwei gewöhnliche 10:1 Oszilloskop-Tastkopfe vorgeschaltet werden. Das funktioniert deswegen, weil der Eingangswiderstand des Differenz-Tastkopfes 1 MOhm beträgt, wie bei einem Oszilloskop. Der Eingangsgleichtakt-Bereich beträgt dann 100 V, was für die meisten Anwendungsfälle ausreichen wird.
Wird die Verstärkung in diesem Fall auf 10 eingestellt, wird die Spannungsteilung der beiden Tastköpfe durch die Verstärkung kompensiert, wodurch sich eine Gesamtverstärkung von 1 ergibt.

DiffAmp_Gerät_4T

Frequenzbereich:

DC bis 100 kHz bei A = 10

Verstärkung:

1, 2, 5, 10

Eingangswiderstand:

1 MOhm

Eingangsgleichtaktbereich:

±10 V

max. Ausgangsspannung:

±10 V

Eingangsrauschen:

ca. -120 dB (bei A = 10)

Versorgungsspannung:

±15 V stabilisiert

Gehäusemaße (TEKO 392):

83 mm x 68 mm x 28 mm

Verstärker:
Das Hauptelement der Schaltung ist ein Instrumentenverstärker des Typ PGA207 von Burr Brown.
Dies ist ein hochwertiger Messverstärker mit einem digital einstellbaren Verstärkungsfaktor von 1, 2, 5 oder 10.
Er weist eine hohe Genauigkeit, eine gute Temperaturstabilität und eine geringe Offsetspannung auf.
Er besitzt einen Eingangsspannungsschutz und eine hohe Gleichtaktunterdrückung der Eingangsspannung.

Aufbau:
Die Schaltung wird auf einer zweiseitigen Leiterplatte aufgebaut und in ein Blechgehäuse montiert, womit die Schaltung gut gegen Störungen geschirmt ist. Das Gehäuse besteht aus einer Wanne und einem aufsteckbaren Deckel. Als Signal-Ein- und Ausgänge dienen BNC-Buchsen. Die Versorgungsspannung wird über eine 6-polige Mini-DIN-Buchse zugeführt. Die Einstellelemente sind recht einfach gehalten. Die Einstellung der Verstärkung wird über Jumper realisiert, die durch den Gehäusedeckel herausragen und somit von aussen steckbar sind. Diese Lösung ist sehr schön klein und deshalb akzeptabel, weil die Verstärkung nicht so oft verstellt werden muss. Die zwei Potis zur Einstellung der Offset-Spannung, 25-Gang-Trimmer R1 und R2, sind durch Bohrungen im Gehäusedeckel von aussen zugänglich. Der Trimmer zum Abgleich der Eingangs-Offset-Spannung ist nicht von aussen zugänglich.

Funktion:
Das zu messende Signal gelangt über die Eingangsbuchsen direkt auf den Instrumentenvertärker PGA207 (IC3). Die Verstärkung kann mit den beiden Jumpern JP1 und JP2 zu 1, 2, 5 oder 10 eingestellt werden. Mit dem Netzwerk aus IC1 und IC2 kann eine Offset-Einstellung durchgeführt werden.
Hierzu wird mittels der Präzisions-Spannungsreferenz ADR291 von Analog Devices (IC1) eine temperaturstabile und rauscharme Spannung von 2,5 V gebildet. Mit einem Präzisions-Operationsverstärker AD706 von Analog Devices (IC2A), der als invertierender Verstärker geschaltet ist, wird aus der positiven Referenzspannung von +2,5 V eine negative Referenzspannung von -2,5 V erzeugt.
Über die beiden Potenziometer R1 und R2, sowie die Widerstände R7, R34 und R47 werden werden die beiden Referenzspannungen zu einer Offsetspannung gemischt.

C3 bildet zusammen mit den Mischwiderständen einen Tiefpass, der die gemischte Spannung noch einmal etwas filtert (ca. 360 Hz). Über den Spannungsfolger IC2B die Offsetspannung niederohmig ausgekoppelt und IC3 als Referenz-Spannung zur Verfügung gestellt. Diese Spannung lässt sich im Bereich von ±2,5 V sehr genau einstellen, was z. B. für folgenden Fall sehr praktisch ist: Ein unipolarer Analog/Digital-Converter mit einer Referenzspannung von 4,096 V hat einen Messberech von 0 V ... 4,096 V. Benutzt man diesen Differenztastkopf mit einer Offset-Einstellung von 2,048 V, so erhält man einen bipolaren Meßbereich von ±2 V und einen Gleichtaktbereich von ±10 V.

Stromversorgung:
Die Versorgungsspannung von ±15 V kommt von einem externen, geregelten Netzteil. Sie wird von LED1 angezeigt und über ein R-L-C-Netzwerk gefiltert. Die Stromaufnahme des gesamten Verstärkers liegt bei 20 mA.

Offset-Abgleich:
Damit die Ausgangs-Offset-Spannung bei einer Änderung der Verstärkung nicht springt, muß zunächst der Offset der Eingangsstufe abgeglichen werden.
Das Gerät ein paar Minuten “warmlaufen” lassen.
Die beiden Eingänge mit einem 50 Ohm-BNC-Stecker abschliessen.
Die Verstärkung mit JP1 und JP2 auf 10 einstellen (beide gezogen).
Die Spannung zwischen K1 und K2 im Millivolt-Messbereich messen und mit dem Trimmer R20 auf 0,0 mV abgleichen.
Die Ausgangs-Spannung an BU3 im Millivolt-Messbereich messen und mit den Trimmern R1 und R2 auf 0,0 mV abgleichen.
Jetzt sollte sich die Ausgangs-Spannung nicht wesentlich verändern, wenn man die Verstärkung ändert.

Tipps:
Die Schaltung sollte in SMD-Bauweise aufgebaut werden. Es sollte eine zweilagige Leiterplatte verwendet werden, bei der auf beiden Lagen möglichst große Masseflächen gebildet werden, die an mehreren Stellen durchkontaktiert werden.
Ein Blechgehäuse und ein externes Netzteil ist für einen rauscharmen Verstärker die richtige Wahl, so werden Störeinstrahlungen am besten unterdrückt.

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